Hühner, die blaue Eier legen, finden sich seit 1956 in Schweden. Hier und da gab es spekulative und unwissenschaftliche Zeitungsartikel, die von üppiger journalistischer Fantasie geprägt waren. Journalisten machen gerne Enten aus Hühnern! Auch im Radio wurde über die blauen Eier berichtet. Aber der Schimmer der Mystik, der dadurch auf den blauen Eiern ruhte, war nur eine schöne Mär, so dass wir uns nun den Tatsachen zuwenden können.

Blaue Eier hängen von einer einzigen Erbanlage ab, die reinrassige Tiere im Doppelsatz haben. Braune Eier dagegen hängen von mehreren Anlagen ab. Das O-Gen für die blaue Eierfarbe ist autosomal, es ist also nicht geschlechtsgebunden. Es befindet sich sehr nahe am P-Gen (Pfau, Erbsenkamm), weshalb Tiere, die sowohl O als auch P aufweisen, hier eine sehr starke Verbindung bei der Genvererbung aufweisen. Auch das Gen „ma“ (für marbling, Daunenfärbung bei Hamburger Silberlack) liegt auf demselben Chromosom wie O.

Das O-Gen ist dominant gegenüber der weißen Eifarbe. Wenn man zum Beispiel einen für O reinrassigen (homozygoten) Hahn mit dem üblichen Leghorn kreuzt, legen alle Hennenküken blaue Eier. Wenn man andererseits einen Hahn verwendet, der für O nicht reinrassig (heterozygot) ist, legt eine Hälfte der Hennenküken blaue Eier und die andere Hälfte weiße. Die Dominanz hier ist vollständig, so dass die Homozygoten keine blaueren Eier als die Heterozygoten legen. Wenn man jedoch Erbanlagen für blaue und braune Eier im selben Tier kombiniert, erhält man eine stärkere blaue bis grüne und olivgrüne Farbe. Somit wird es also eine intermediäre Vererbung geben. Je mehr und stärker wirkende Gene für braune Eier man mit O kombiniert, desto stärker wird die Farbe, die man bei der Kombination erhält.

Blaue Eier sind durch ihre Schale blau. Die Farbe kann Sandpapier standhalten. Braune Eier hingegen sind oberflächlich gefärbt. Blaue Eier wurden von Prof. Salvador Castello auf dem ersten Geflügel-Kongress 1921 erwähnt. 1930 importierte Prof. Punnett Hühner mit blauen Eiern von Chile nach England. Von den südamerikanischen Araucanas wurde das O-Gen für die englische Cream Legbar-Rasse ausgeliehen. Punnett diskutierte in „Das blaue Ei“ (1933), ob das O-Gen von Fasanen stammen könnte, denn bei Fasanen gibt es helle, braune und blaue Varianten der Eifarbe. Und Fasane können leicht mit Hühnern gekreuzt werden, obwohl die Nachkommen, soweit bisher festgestellt, steril sind. Es sollte keine Fasane geben, die mit Hühnern gekreuzt werden können, da es in mehreren Fällen ganz offensichtliche Barrieren schon zwischen verschiedenen Fasanenarten gibt.

1956 importierte der Verfasser ein paar Cream Legbar aus Cambridge. Diese Tiere waren jedoch in der schwedischen Umgebung sehr anfällig für Leukose, weshalb das O-Gen einem schwedischen Leghorn mit 25% New-Hampshire-Blut verliehen wurde. Das hat schließlich eine neue Rasse hervorgebraucht, die Silverudds Safir. Sie sind hellbraungelb mit einer schönen Kontrastzeichnung in Braun mit Schwarz. Die Rasse hat einen runderen Typ als Leghorn, einen kleineren Kamm und einen kürzeren Schwanz. Sie hat einige Gene für braune Eier, weshalb die blaue Eifarbe stärker und klarer erscheint als bei den Cream Legbar. Wenn man einen stärkeren Farbeffekt wünscht, kann man die Silverudds Safir mit New Hampshire kreuzen. Dann entsteht eine gesättigtere blaue Farbe, nicht so grün wie erwartet, aber die Eier einiger Individuen zeigen stark olivgrüne Farben.

Es ist möglich, dass die in Südamerika vorkommende „leuchtend grüne Farbe“ auf Homozygoten für O auf ein Zusammenspiel einer Reihe von Genen für braune Eier zurückzuführen ist. Vielleicht hat eine langfristige züchterische Auswahl dem Farbspiel noch etwas hinzugefügt. In Schweden gibt es immer noch keine Hühner, die homozygot für O sind und gleichzeitig eine Reihe von Genen für braune Eier haben wie z.B. die Rassen mit stark gefärbten Eiern. Es gibt wahrscheinlich auch keine in Europa – aber sie werden sicher kommen.

Ob die blauen Eier außer einer sportlichen Komponente eine andere Bedeutung erlangen werden, bleibt abzuwarten. Mit drei Hühnern – eine Henne mit weißen Eiern, eine mit braunen und eine mit blauen – kann eine 100% sichere individuelle Kontrolle durch ein Käfigsystem leicht erreicht werden. Aber die blauen Eier wurden noch nicht in den Handel aufgenommen und das Käfigsystem ist im Zuchtkontext nicht erwünscht. Wenn O rezessiv gewesen wäre, wäre es in der heutigen Situation möglich gewesen, das Gen in der kommerziellen Zucht zu verwenden. Wie wir morgen denken, bleibt abzuwarten!